Das „Tausendjährige Reich“ der Wiedertäufer in Münster, Aufstieg und Fall

Das "Tausendjährige Reich" der Wiedertäufer in Münster, Aufstieg und Fall
Das „Tausendjährige Reich“ der Wiedertäufer in Münster, Aufstieg und FallVorlesen (nur in Deutsch)
Bildquelle: Schulfra, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

„…Es war im Februar des Jahres 1534, als ein gewisser Jan Mathys in die Stadt einzog. Zwar waren die Bewohner der Bischofsstadt in den vorangegangenen Jahren Anhänger Luthers geworden. Aber die uralten Traditionen, den Beginn der vorösterlichen Fastenzeit mit allerlei Schabernack zu feiern, wird vielen noch im Bewusstsein gewesen sein. Doch die Monate, die folgten, sollten alles in den Schatten stellen, was bis dahin erdacht worden war, um böse Geister zu vertreiben. Denn aus Spaß wurde blutiger, tödlicher Ernst.

Der kam mit Jan Mathys in die Stadt. Der gelernte Bäcker aus Haarlem in den Niederlanden war überzeugt davon, dass ihm Gott die Gabe der Prophetie verliehen habe. Und die ließ in ihm die Überzeugung wachsen, dass das Ende der Welt nahe sei. Hinzu kam ein persönliches Charisma, das die zum Mystizismus neigenden Anhänger der Reformation wie etwa die Täufer ansprach. Da diese in den Niederlanden zunehmend verfolgt wurden, fanden sie in Münster ihr „Neues Jerusalem“.
Das hatte nicht zuletzt soziale Gründe. In der wohlhabenden Hansestadt war es einige Jahre zuvor zu Unruhen gekommen. Die weltlichen Handwerker gingen mit Gewalt gegen die privilegierten Werkstätten in den zahlreichen Klöstern vor, die unter der Schirmherrschaft des Bischofs standen. Das trieb die Reformation voran. 1533 war der Rat der Stadt streng lutherisch, ein Vertrag mit dem Bischof sicherte den labilen Frieden…“

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