Erich Honecker: die letzten Jahre eines gebrochenen Mannes in Haft und Asyl

info@histomich.de/ März 18, 2021/ DDR, Presse, Wende

Vorlesen (nur in Deutsch)
Bildquelle: Dmitri Wladimirowitsch Wrubel: Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben. Wandgemälde mit einem Sozialistischen Bruderkuss zwischen Honecker und Breschnew an der East Side Gallery in Berlin aus dem Jahr 1991., Von Bundesarchiv, B 145 Bild-F088809-0038 / Thurn, Joachim F. / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de,

Erich Honecker betete im Asyl: Das wäre zu Zeiten seiner Macht undenkbar gewesen. Aber am 30.1.1990 waren es keine “normalen” Zeiten mehr für die DDR-Bürger , auch nicht für die Honeckers.
Erich Honecker und Margot Honecker flüchteten nämlich an diesem Tag in aller Dunkelheit in’s beschauliche Lobetal, nördlich von Berlin. Nachdem sich Erich Honecker im Januar 1990 einer OP in der Berliner Charite unterzogen hatte, wurde er sofort festgenommen auf Grund des Vorwurfs des Machtmißbrauchs zu Zeiten als Staatschef der DDR. Da das Gericht kurze Zeit später Honecker wegen Haftunfähigkeit aus der Haft entließ, hatte das Paar kein sicheres Obdach mehr. Und so vermittelten DDR-Rechtsanwalt Vogel und Manfred Stolpe ein Asyl für die Honeckers in einem Pfarrhaus in Lobetal bei Berlin. Im Frühjahr 1990 kam das Ehepaar Honecker im russischen Militärhospital bei Beelitz unter. Nach der Wiedervereinigung kam zum Vorwurf des Amts- und Machtmißbrauchs nun auch der Tatbestand der Verfügung und Bekräftigung des Schießbefehls hinzu. Honecker konnte aber nicht erneut festgenommen werden, da er im Beelitzer Militärhospital unter dem Schutz der Sowjets stand. Am 13.3.1991 flogen die Honeckers nach Moskau aus. Der neue Machthaber in Moskau, Boris Jelzin, forderte Ende 1991 die Auslieferung des Ehepaars an Deutschland, jedoch konnte sich Honecker in die chilenische Botschaft in Moskau absetzen. Am 29.7.1992 mussten die Honeckers aber diese Richtung Deutschland verlassen, Erich Honecker wurde bei seiner Ankunft sofort verhaftet , Margot Honecker flog nach Chile. Vergeblich versuchten Honeckers Anwälte zunächst die Verfahren auf Grund der schweren Krankheit ihres Mandanten, Honeckers Leberkrebs hatte bereits Metastasen im Körper hervorgerufen, einzustellen. Am 12.1.1993 gab der Berliner Verfassungsgerichtshof der Verfassungsbeschwerde Honecker’s statt , ein Tag später wurde Erich Honecker aus der Untersuchungshaft entlassen. Dies konnte nicht ohne Protest der Regimeopfer sein. Honecker flog direkt nach Chile zu seiner Familie. Am 17.4.1993 meldete sich Honecker nochmal zu Wort und rechnete mit dem neuen Deutschland ab und verteidigte den Sozialismus in der DDR. Bereits im Verfahren 1992 wies er die moralische Schuld insbesondere hinsichtlich Schießbefehl weitesgehend von sich und relativierte sogar die Mauertoten mit den Toten des Vietnamkriegs. Auch die Tätigkeiten der Stasi verharmloste er. Honecker starb in seinem Exil in Santiago de Chile am 29.5.1994, seine Frau Margot fast 22 Jahre später. Im folgenden Artikel erinnert sich u.a. Pastor Uwe Holmer an die kurze Zeit des Asyls der Honeckers in Lobetal.

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